Katha Schulte

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Santa Maria del Buen Ayre. Cuaderno de fotografías

Lars Lindemann
Flanbé ediciones 2012

OHNE TITEL, übers. v. Florencia Martin

© Flanbé ediciones – Katha Schulte© Flanbé ediciones

Hamburg Reeperbahn: Fußballfans, Hooligans. Die Leute sind nicht von meiner Art. Je weniger prätentiös du aussiehst, je weniger du etwas willst, desto willkommener nimmt dich die Masse auf. Je weniger du dich unterscheidest. Das muss man erst mal aushalten. Die Leute sind nicht von meiner Art.

Die Leute sind von meiner Art, wie wir alle betrunken sind und immer noch betrunkener werden wollen, und die Türen der Läden stehen prinzipiell offen. Draußen regnet es, warmer Regen, drinnen die Luft so heiß und feucht wie draußen. Jemand spuckt auf den Gehsteig. Es ist ein Drängen und Schieben. Alle suchen etwas, alle sind die Getriebenen, das sind wir. Dass das zu Schlägereien führen wird, ist klar. Nicht, weil nicht alle dasselbe wollen. Doch besonders dann, wenn alle dasselbe wollen, stellt sich schnell heraus, dass doch viel zu wenig da ist, von allem und auch vom selben. 

 

IV (Planet der Rinder) 

Ich stelle mir vor, wie es wäre, Fleisch zu essen, viel Fleisch; ich würde auch gern einfach eine Hand auf den weichen, festen Übergang eines Rückens zur Hüfte hin legen und dort liegen lassen. Ich stelle mir vor, viel Fleisch zu essen, und lasse mich vom Strom der Menschen dorthin schubsen, wo sie es am meisten wollen. Sehr viel Fleisch. Das speckige Aroma von Holzkohle und Rinderfett liegt über der ganzen Stadt. Eine halbe Ziege oder ein ganzes Hähnchen, Bratwurst, Zigeunerspieß, Hammelbraten? Er trägt ein flaches schwarzes Hütchen zu Hemd und Schürze und setzt einen Moment aus. Das Hackbeil ruht auf dem Brett. Der Grillmeister verzieht keine Miene, sein Innehalten bedeutet nichts anderes als grenzenlose Ungeduld.

Rippchen. Ich esse Rippenbeefsteak, Filetsteak, Rinderbrust, Rostbraten, Lende, Hoden, alles vom Rind. Es fließt auch Blut. Nein, keine scharfe Sauce, gracias. Doch das Schlachten ist nicht jedermanns Sache.

Ich glaube, das Tier rieb sich vor wenigen Stunden noch an seinen Artgenossen. Wenn nicht auf der Weide, dann im Pferch, unterwegs nach Liniers, um unter den Hammer zu kommen. Der größte Umschlagplatz für Hornvieh in der ganzen Welt. Das behalte ich für mich, das wollen die andern nicht wissen. Auch dass das Schlachtvieh die dominante Lebensform ist, symbiotisch verbunden mit den Menschen wie keine andere Art. Ihnen gehört das Land: Aberdeen Angus, Brafords, Brahaman, Brangus, Herfords, Hollsteiner, Jerseys, Limousin, Nelore und Shorthorn.

Das ist das Fleisch. Die Männer schieben an langen Stangen das Fleisch über den Rost. Inmitten der Rauchschwaden wirken sie wie Gondolieri oder Flößer, die ihr Fahrzeug durch den schlammigen Fluss manövrieren. Das Aroma liegt über der Stadt und dem Fluss. Wie ich herkomme, weiß ich nicht. Der Pavillon am Plate, nicht mehr als ein freistehendes riesiges rundes Dach, ist ein begehrter Schattenplatz, zum Rasten und zum Grillen. Ich bin nicht betrunken, das ist das Fleisch. So bin ich fast zwölftausend Kilometer geflogen, um Fleisch zu essen. Nach über elf Jahren. Mir schwankt es vor den Augen.

 

V

Buenos Aires gelobtes Land am jüngsten Tag (letztes Gericht, Nacht ohne Morgen)
Buenos Aires an dem Tag, an dem alles Fleisch verkauft ist

 

  – Katha Schulte

schreibt

Unwesen – Katha Schulte

Unwesen

Roman

Hablizel Verlag 2010

Projekt Nerven – Katha Schulte

Projekt Nerven

Projekt Bing – Katha Schulte

Projekt Bing

Ein Zeichen – Katha Schulte

Ein Zeichen

tau – Zeitschrift für Literatur, #3, 2019: urlässig – Katha Schulte

tau – Zeitschrift für Literatur, #3, 2019: urlässig

 

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Ziegel 15. Hamburger Jahrbuch für Literatur 2017 – Katha Schulte

Ziegel 15. Hamburger Jahrbuch für Literatur 2017

hg. v. Jürgen Abel, Antje Flemming, Wolfgang Schömel
Dölling und Galitz Verlag 2017

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